{"id":3141,"date":"2013-11-20T07:30:03","date_gmt":"2013-11-20T06:30:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/?p=3141"},"modified":"2021-04-16T21:24:14","modified_gmt":"2021-04-16T20:24:14","slug":"pilzmythen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/en\/pilzmythen\/","title":{"rendered":"Pilzmythen"},"content":{"rendered":"<h2>Pilzmythen<\/h2>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/DSC_1233.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/DSC_1233-300x260.jpg\" height=\"260\" width=\"300\" class=\"alignright wp-image-3149 size-medium\" alt=\"Gro\u00dfer Baumscheibe Holz exotisch Naturmaterialien.\" title=\"Der Autor vor einem auch sehr gro\u00dfen Lebewesen - Scheibe eines Mammutbaums im GeoMuseum Uni K\u00f6ln (Aufnahme: R. Moll)\" srcset=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/DSC_1233-300x260.jpg 300w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/DSC_1233-150x130.jpg 150w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/DSC_1233-768x667.jpg 768w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/DSC_1233.jpg 1024w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/DSC_1233-520x452.jpg 520w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/DSC_1233-260x226.jpg 260w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <\/a>Wu\u00dften Sie es?<\/strong><br \/>\n<strong>Das gr\u00f6\u00dfte Lebewesen auf unserem Planeten ist nicht ein Elefant oder Blauwal, sondern ein Pilz<\/strong>.<\/p>\n<p>In den USA, im Bundesstaat Oregon lebt ein Pilz, dessen Pilzgeflecht, das Myzel, \u00fcber eine Fl\u00e4che von neun Quadratkilometern gewachsen ist. Das ist gr\u00f6\u00dfer als die Fl\u00e4che von K\u00f6ln-M\u00fclheim mit seinen 7 Quadratkilometern.<br \/>\nDie lebende Masse wiegt grob gesch\u00e4tzt 600 Tonnen, das entspricht dem Gewicht von 4 Blauwalen.<\/p>\n<p>Der Riesen-Pilz ist gleichzeitig auch das \u00e4lteste Lebewesen des Planeten.<br \/>\nDer Hallimasch w\u00e4chst seit etwa 2400 Jahren indem er sich von Baumwurzel zu Baumwurzel ausdehnt.<\/p>\n<p>Erst im Jahr 2000 entdeckten amerikanische Forscher um die Forstwissenschaftlerin Catherine Parks mit Hilfe von Luftaufnahmen den Hallimasch. In Gebieten, in denen der Wald krank war, sammelten sie Proben pilzbefallener Wurzeln. Die \u00fcberraschende Erkenntnis bei der Genanalyse: 61 der Proben stammten von demselben Hallimasch. Als sie ihre Werte auf eine Landkarte \u00fcbertrugen, d\u00e4mmerte den Forschern, welch einem Riesen sie da auf die Spur gekommen waren.<br \/>\nDer Hallimasch bef\u00e4llt aber nicht nur gesunde Pflanzen, sondern verspeist auch totes Holz &#8211; und recycelt so das organische Material, arbeitet also zusammen mit Bakterien als Sperrm\u00fcll-Abfuhr des Waldes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/2011-11-07_Infundibulicybe_geotropa_180122-cc-sporulator.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/2011-11-07_Infundibulicybe_geotropa_180122-cc-sporulator-300x225.jpg\" height=\"225\" width=\"300\" class=\"alignright wp-image-3147 size-medium\" alt=\"Hexenring im Wald mit wei\u00dfen Pilzen, Natur, Herbst, Pilzsammlung, Waldspaziergang, nat\u00fcrliche Umgebung, Pilze, Herbstwald, Pilze im Wald.\" title=\"Hexenring im Wald - von This image was created by user Sporulator at Mushroom Observer, a source for mycological images.You can contact this user here. [CC-BY-SA-3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" srcset=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/2011-11-07_Infundibulicybe_geotropa_180122-cc-sporulator-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/2011-11-07_Infundibulicybe_geotropa_180122-cc-sporulator-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/2011-11-07_Infundibulicybe_geotropa_180122-cc-sporulator-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/2011-11-07_Infundibulicybe_geotropa_180122-cc-sporulator.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <\/a>Pilze sind eh sehr interessante Lebewesen.<\/strong><br \/>\nBisher sind nur 100.000 von den vermuteten 1,5 Millionen Arten weltweit bekannt und erforscht.<br \/>\nSie sind weder Pflanzen, noch Tiere. Nicht Flora, nicht Fauna sonder &#8220;Funga&#8221;.<br \/>\n\u00c4hnlich den Insekten sind ihre Zellen teilweise aus Chitin aufgebaut. Statt Blattgr\u00fcn, mit dem sie Sonnenlicht in Energie umwandeln k\u00f6nnten, ern\u00e4hren sie sich von organischen Stoffen, die sie zersetzen oder beziehen die Nahrung direkt aus Pflanzen oder B\u00e4umen. So wie Schimmelpilze organisches Material zersetzen und umwandeln oder wie Baumpilze, die auf B\u00e4umen wachsen und sich die Fertignahrung aus den lebenden B\u00e4umen holen.<br \/>\nDer japanische Shiitake etwa wird auch in Europa gez\u00fcchtet. Er kann auf Buche, Eiche, Kastanie, Ahorn oder Walnuss angebaut werden. (Interessantes Detail am Rande: der Shiitake-Pilz schmeckt nicht s\u00fc\u00df, salzig, bitter oder sauer &#8211; er schmeckt &#8220;umami&#8221;. Diese 5. Geschmacksrichtung wurde erst j\u00fcngst von der Wissenschaft anerkannt. Es gibt auf der menschlichen Zunge eigene Zellen zur Wahrnehmung von &#8220;umami&#8221;.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr mich hatten Pilze schon als Kind eine geheimnisvolle, mystische Qualit\u00e4t.<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/Fairy_ring_on_a_suburban_lawn_100_1851.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/Fairy_ring_on_a_suburban_lawn_100_1851-300x225.jpg\" height=\"225\" width=\"300\" class=\"alignright wp-image-3143 size-medium\" alt=\"Pilze im Park, Kunstinstallation, kreative Gartenkunst, lokale Natur, Pilzkunst, \u00f6ffentliche Kunst, umweltbezogen, Gartenkunstwerk, Naturinstallation, urbanes Kunstprojekt.\" title=\"Hexenring auf einer Wiese - von User:Mrs skippy (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons\" srcset=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/Fairy_ring_on_a_suburban_lawn_100_1851-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/Fairy_ring_on_a_suburban_lawn_100_1851-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/Fairy_ring_on_a_suburban_lawn_100_1851-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/Fairy_ring_on_a_suburban_lawn_100_1851.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <\/a>In einem belgischen Comic von Will Vandersteen (&#8220;Suske en Wiske&#8221;) hatte ich mit etwa 9 Jahren eine Geschichte gelesen, in der es um einen &#8220;Hexenring&#8221; ging.<br \/>\nEin kreisrunder Ring, auf dessen Au\u00dfenrand die Pilze wuchsen. Die Mitte leer. Im magischen Glauben nahm man an, diese Spuren h\u00e4tten etwas mit Hexen und Elfen zu tun. Man glaubte, dass die Pilze in dem seltsamen Kreis die Spuren eines n\u00e4chtlichen Tanzes beim Hexensabbat waren. Oder dass der Ring den Platz zeige, wo der Blitz in die Erde gefahren sei. Dabei habe er elektrische Energien entwickelt, die sich sternf\u00f6rmig ausbreiteten.<br \/>\nOder er w\u00fcrde von Schlangen erzeugt, die im Kreis schl\u00e4ngelten oder von Hexen, die grasende Pferde bestiegen und mit ihnen immerzu im Kreis herum ritten.<br \/>\nWissenschaftlich betrachtet ist es so, dass das Pilzmyzel sich an einem unterirdischen Wirt, zum Beispiel einer verrottenden Baumwurzel entwickelt, kreisrund weiter w\u00e4chst und wenn die Fruchtk\u00f6rper (das was landl\u00e4ufig &#8220;Pilz&#8221; genannt wird) an einem feuchten Herbsttag aus dem Boden sprie\u00dfen, bleibt ein von Jahr zu Jahr gr\u00f6\u00dfer werdender, von Pilzen umringter, Tanzplatz \u00fcber.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/1024px-Fly_Agaric_mushroom_04-cc-tony_wills.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/1024px-Fly_Agaric_mushroom_04-cc-tony_wills-300x225.jpg\" height=\"225\" width=\"300\" class=\"alignright wp-image-3145 size-medium\" alt=\"Pilz im Wald, Fliegenpilz mit rotem Hut und wei\u00dfen Flecken, Naturfotografie.\" title=\"Fliegenpilz - I, Tony Wills [CC-BY-3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0) oder CC-BY-SA-3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" srcset=\"https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/1024px-Fly_Agaric_mushroom_04-cc-tony_wills-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/1024px-Fly_Agaric_mushroom_04-cc-tony_wills-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/1024px-Fly_Agaric_mushroom_04-cc-tony_wills-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.wolfgangkurtz.de\/wp-content\/uploads\/1024px-Fly_Agaric_mushroom_04-cc-tony_wills.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <\/a>Sp\u00e4ter als Jugendlicher<\/strong>, interessierten mich Pilzgeschichten, wie die vom Fliegenpilz, dessen berauschende Wirkung seit Urzeiten Gegenstand von Mythen ist. Der nordische Gott Wotan soll in seiner Wut Fliegenpilze sprie\u00dfen gelassen haben wo er die Erde ber\u00fchrte. Germanische Krieger berauschten sich mit Fliegenpilzen, um furchtlos und mit berserker-hafter Wut in den Kampf zu ziehen. Besonders interessant fand ich als 15-j\u00e4hriger Pubertierender bezeichnenderweise, dass in Sibirien der Urin von Fliegenpilz-Berauschten getrunken und damit der Pilz-Wirkstoff recycelt wurde, da er nicht komplett im K\u00f6rper abgebaut wird. In Finnland soll man den Urin von Rentieren getrunken haben, die man vorher mit Fliegenpilzen gef\u00fcttert hatte. Sehr seltsame Stories&#8230;<br \/>\nFliegenpilze sind \u00fcbrigens normalerweise nicht gef\u00e4hrlich. In Teilen Japans geh\u00f6rt er als leckere Spezialit\u00e4t auf den Speiseplan. Und auch in Deutschland wurde er am Anfang des 20. Jahrhunderts noch gegessen, verschwand aber wegen der unsicheren Wirkung von den Sammel-empfehlungen. Die letale (t\u00f6dliche) Dosis liegt f\u00fcr einen erwachsenen Menschen bei mehr als 10 Pilzen &#8211; anders der Knollenbl\u00e4tterpilz: hier reicht ein halber Pilz f\u00fcr die letzte Reise.<\/p>\n<p>Eine andere Sorte Pilz, die hierzulande auf vielen feuchten Wiesen w\u00e4chst lernte ich mit gut 20 Jahren w\u00e4hrend meines Zivildienstes im gut bewaldeten Weserbergland kennen: den kleinen &#8220;Spitzkegeligen Kahlkopf&#8221;, der den psychoaktiven Wirkstoff Psilocybin enth\u00e4lt.<br \/>\nAber auch das g\u00e4ngigste Rauschmittel unserer heutigen Gesellschaft, der Alkohol, wird erst durch einen Pilz m\u00f6glich: der Hefepilz wandelt Traubensaft oder gem\u00e4lzten Gerstensud in Alkohol um.<\/p>\n<p>Am ungef\u00e4hrlichsten ist es wohl, die Fr\u00fcchte der Pilze zu einem guten Essen zu geniessen.<br \/>\nGez\u00fcchtete Champignons mit Zwiebeln in Rahmso\u00dfe, heilende Shiitake-Pilze zu einer makrobiotischen Mahlzeit oder ein Hauch Tr\u00fcffel auf einem Nudelgericht.<\/p>\n<p>Doch Vorsicht bei Pfifferlingen! Diese d\u00fcrfen per Gesetz in Deutschland zwar zum eigenen Gebrauch gesammelt, aber nicht verkauft werden. Alle hier gehandelten Pfifferlinge stammen aus dem Ausland und oft aus Russland oder osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern in denen die Strahlenbelastung nach Tschernobyl immer noch sehr hoch ist.<br \/>\nDie Pfifferlinge sammeln die damals auf den Waldboden herabgeregneten radioaktiven Isotope, und sollten deshalb gemieden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pilzmythen Wu\u00dften Sie es? Das gr\u00f6\u00dfte Lebewesen auf unserem Planeten ist nicht ein Elefant oder Blauwal, sondern ein Pilz. 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